100 Jahre und 1 Tag nach dem 7.7.1914

SZENISCHE LESUNG: Die Leiden des Westens – 8.7. in der Hofburg mit Schauspielern – 100 Jahre und 1 Tag später, nach dem 7.7.1914

Szenische Lesung – „Die Leiden des Westens“ in de…: http://youtu.be/i1MkTrGNKPsDSG_4208

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100 Jahre und 1 Tag nach dem 7.7.1914

SZENISCHE LESUNG: Die Leiden des Westens – 8.7. in der Hofburg mit Schauspielern – 100 Jahre und 1 Tag später, nach dem 7.7.1914

Szenische Lesung – „Die Leiden des Westens“ in de…: http://youtu.be/i1MkTrGNKPs

Heldenplatz trifft Berggasse 4.11.2013

Doppellesung mit Schauspielern und Buchpräsentation am 25. Jahrestag der Uraufführung von „Heldenplatz“

Freud-Museum: Heldenplatz trifft Berggasse – Szenische Lesung: Gastgeber Peter Klein, Buchautor, „Die Leiden des Westens“

Szene 1: Dr. Freud & Thomas Bernhard

Szene 2: Adolf Hitler & Kammerdiener Stachel

Szene 3: Thomas Bernhard & Falco

Gemma Salem, Regisseurin & Autorin, „Thomas Bernhard und die Seinen“

Ehepaar Lampersberger („Holzfällen- Skandal“) & Schlussapplaus

Foto Lampersperger4

Heldenplatz reloaded 23.9.2013

„Mir wurde bei der Lektüre klar, dass die Menschen nicht aus der eigenen Geschichte lernen können, wenn diese offiziell als Vergangenheit abgestempelt wird. Vergessen-Können ist vielleicht für den einzelnen Menschen wichtig, aber die Gesellschaft muss lernen, dass eine friedlichere Zukunft im Nichtvergessen-Lassen liegt. Es braucht heute einen Autor wie Peter Klein, der in seinem Buch den Buddha einen fiktiven Besuch im Wien von 1938 machen lässt, um aktuelle Situationen (wieder) sichtbar zu machen.“

Herta Margarete Habsburg-Lothringen – Flamme des Friedens – http://www.flameofpeace.org

Sigmund-Freud-Universität: Lesung – Frau Margarete Habsburg- Lothringen (Grußwort)

Die Leiden des Westen Lesung Sigmund Freud Uni: http://youtu.be/8NPcCfXKyaQ

KAPITEL 1: DIE LEIDEN DER ZEIT – UNTERGANG DER GLORREICHEN VERGANGENHEIT _TEIL 3

11. März 1938, Freitag, Wien, Flughafen Aspern, 10.00 Uhr – Siddhartha Gautama trifft in Wien ein

 

Ludwig telefoniert mit der Polizeidirektion, die bereits unter dem Einfluß der Nazis steht. Die Nazis bereiten den Einmarsch der Deutschen Wehrmacht nach Österreich vor.
Gustl: „Wie sollen wir uns nun verhalten? Was machen wir mit dem ausländischem Gast von Bundeskanzler Schuschnigg?“
Gerade als Gustl diese Frage stellt, taucht das Flugzeug mit dem Gast aus dem Fernen Osten am Morgenhimmel auf und setzt zur Landung an.
Ludwig: „Die Zentrale hat gesagt, es ist ein Gelehrter, ein Gescheiter. Na, dann paßt er gut zum Schuschnigg.“
Gustl: „Wir nehmen ihn in Empfang und fahren erstmal wohin, wo wir in Ruhe herauskriegen können, was seine Mission ist.“
Ludwig: „Zeitverschwendung. Gäste von Schuschnigg sind unsere Feinde.“
Gustl: „Abwarten, Hitzkopf. Vielleicht hat er wichtige Informationen – auch für deine Leute!“
Ludwig (knirschend): „Na gut.“
Das Flugzeug ist gelandet. Einige wenige Passagiere kommen aus der Ankunftshalle. Einer sticht sofort ins Auge. Er trägt eine safrangelbe Robe, die aus aneinander genähten Flicken besteht. Sieht aus wie ein Reisfeldmuster. Er geht langsam und, untypisch für das hektische Treiben der letzten Tage, völlig entspannt. Jeder Schritt ist harmonisch und friedvoll. Auch das Gesicht des Mannes mit dem kahlgeschorenen Kopf wirkt friedvoll. Ein großherziges, strahlendes Lächeln umspielt seine Lippen. Dennoch hat er einen klaren, durchdringenden Blick. Zielstrebig, im gleichmäßigen Schritt, geht er auf das Polizeiauto zu, als ob er weiß, daß ihn diese Männer erwarten und verneigt sich leicht zur Begrüßung.
Ludwig verzieht keine Miene, zieht an seiner Zigarette und raunzt: „Sie sind der Gast von Schuschnigg?“
Der Mann verneigt sich abermals: „Herrn Bundeskanzler Dr. Kurt von Schuschnigg, wie man nach Ihren Gepflogenheiten sagt. Meine Erkundigungen vor meinem Besuch haben ergeben, daß in Wien die Höflichkeitsregeln sehr wichtig sind. Siddharta Gautama ist mein Name – Sie können mich aber auch Buddha nennen.“
Ludwig verschluckt sich an seiner Zigarette. Das Alter des Fremden ist schwer zu schätzen, seine Erscheinung hat zugleich etwas von Jugendlichkeit und Weisheit.
Gustl (grinsend): „Willkommen in Wien, Herr Buddha. Im Namen der Österreichischen Regierung heißen wir Sie herzlich willkommen. Hatten Sie einen guten Flug?“
Gustl bemüht sich um Höflichkeit. Der Fremde würde heute eh wenig vom schönen Wien an der blauen Donau mit seinen Höflichkeitsformen „Ich
habe die Ehre“, „Küß die Hand“, „Lieber Freund“ kennenlernen, also sollte man ihm wenigstens einen freundlichen Empfang bereiten.
Buddha (mit freundlichem Lächeln): „Der Flug war ruhig, aber in meiner Meditation sah ich Bilder großer Unruhe. Das Klima scheint gerade sehr wechselhaft zu sein in Europa. Gut, daß der Bundeskanzler Männer wie Sie hat, denen er vertrauen kann.“
Gustl beißt sich auf die Lippen. Der Fremde ist ein aufmerksamer Beobachter und hat registriert, daß Schuschnigg bei ihnen nicht hoch im Kurs steht. Um Zeit zu gewinnen und dem aufbrausenden Ludwig zuvorzukommen, fragt Gustl hastig: „Sie sind das erste Mal in Österreich?“
Buddha (nickend), mit strahlendem Lächeln: „Ja, und ich hoffe, es ist nicht meine letzte Reise.“
Gustl, über die Situation verlegen, rettet sich mit Wiener Schmäh: „Dann herzlich willkommen in Wien, mit einem Ausspruch unseres schönen Österreichs, der Heimat vieler Dichter, Denker und Künstler: Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein.“
Buddha verneigt sich erneut.
Gustl: „Dann steigen Sie doch ein. Der Bundeskanzler ist noch beschäftigt, wir sind beauftragt, Ihnen das schöne Wien zu zeigen.“
Buddha: „Es ist mir eine Ehre.“

3. Rezension:

„Mir wurde bei der Lektüre klar, dass die Menschen nicht aus der eigenen
Geschichte lernen können, wenn diese offiziell als Vergangenheit
abgestempelt wird. Vergessen-Können ist vielleicht für den einzelnen
Menschen wichtig, aber die Gesellschaft muss lernen, dass eine
friedlichere Zukunft im Nichtvergessen-Lassen liegt.
Es braucht heute einen Autor wie Peter Klein,
der in seinem Buch den Buddha einen fiktiven Besuch im Wien
von 1938 machen lässt, um aktuelle Situationen (wieder) sichtbar zu
machen. Mit der Klarheit des Ostens und in Kontakt mit Personen, die
Geschichte gemacht haben – Hitler, Freud und andere – erkennt die
Romanfigur die kollektiven Wurzeln für „Die Leiden des Westens“ – die
auch das eigene Leiden sind. Das gemeinsame Vergessen der eigenen
Geschichte lässt die alten Strategien immer und immer wieder siegen. Das
Buch ist eine Fiction mit Fakten – dadurch ermöglicht es, sich mit einem
emotionalen Sicherheitspolster zu erinnern und gleichzeitig die eigene
Gegenwart klarer zu sehen. Je mehr Menschen dies auch sehen, desto
rascher kann auf Basis der gemeinsamen Geschichte ein besseres
Miteinander in Gegenwart und Zukunft entstehen.“

Herta Margarete Habsburg-Lothringen
Flamme des Friedens – http://www.flameofpeace.org

Kapitel 1: Die Leiden der Zeit – Untergang der glorreichen Vergangenheit _Teil 2

Flughafen Aspern

Eine Maschine aus Berlin setzt donnernd auf dem Flugfeld zur Landung an. Aspern, im 22. Wiener Gemeindebezirk Donaustadt, am östlichen Stadtrand, ist mit 11 Fluglinien der größte und modernste Flughafen Europas, ein Zentrum der österreichischen Zivil- und Militärluftfahrt. Dieser Ort ist 1809 durch die Schlacht bei Aspern in die Geschichte eingegangen. Erstmals hat Erzherzog Karl mit der österreichischen Armee Napoleon besiegt. Eine Monumentale Skulptur vor der Kirche St. Martin, der Löwe von Aspern, erinnert an diese Schlacht. Aber: Wen von den jungen Leuten interessierte das noch? Und überhaupt, demnächst würden sich hier ganz andere Gestalten herumtreiben, gegen die Napoleons Schergen wahrscheinlich Waisenknaben waren.
Ludwig ist immer noch mit den SS-Uniformen beschäftigt, die für ihn und Gustl im Polizeiwagen liegen.
Ludwig: „Macht doch echt was her der Zwirn. Wird in Deutschland hergestellt von Hugo Boss, eine kleinen Firma, von der hat man vorher noch nie etwas gehört. Der Chef hat den Führer am Obersalzberg besucht. Das Foto der beiden hängt jetzt in seinem Wohnzimmer, und seitdem produziert er hunderttausende Uniformen für die Wehrmacht, SS, SA und HJ. Werden wohl demnächst noch einige dazukommen. Das nennt man eine deutsche Karriere mit Expansionskurs – 200.000 Bilder vom Führer sind auch schon nach Wien unterwegs.“1
Gustl (spöttisch): „Ja, und für Überzeugte wie dich ist demnächst ein Mercedes als Polizeifahrzeug drin, wie bei den Spitzen der Gestapo.“
Ludwig: „Was hast du? Du hast doch immer die alten K. & K. Geschichten erzählt, daß die Maderln verrückt sind, wenn junge fesche Burschen Uniformen tragen.“
Ludwig hat es gut, denkt Gustl, der ist wenigstens von seiner Sache überzeugt. Und noch jung genug, daß er an das scheinheilige Schauspiel der Nazis glaubt, das viele in ihrer Blindheit einfängt, bis sie wie Fische im Netz zappeln.
Julius: „Die HJ-Uniformen machen jedenfalls mehr her als die Vaterländischen.“ Gustl (verschnupft): „Na, dann haben wir schon zwei, die dem Führer folgen. Aber laß das bloß deine Mutter nicht hören. Und außerdem: Noch ist alles in der Schwebe.“
„Noch!“ Wiederholt Ludwig polternd, mit entschlossener Miene, ohne Zweifel am weiteren Lauf der Dinge spürbar werden zu lassen.

2. Rezension:

Das kollektive Unbewusste – seit C. G. Jung beschäftigt es unser Denken. Wie sich ihm annähern?

Peter Klein geht seit Jahren den Weg von Aufstellungen. Zu Falco, Freud und Buddha als Bojen ist er in besonderer Resonanz auf diesem Weg. Gipfel der Eisberge, die sich immer wieder in neuen Zusammenhängen zeigen, wobei einer Evolution des Bewusstseins der einzelnen Teilnehmer der Aufstellungen bereits Rechnung getragen wird, die integrale Theorie nach Ken Wilber und Spiral Dynamik in die Arbeit einfließen.
Nunmehr werden diesem dritten Buch, einem Roman, weitere Gestalten nach ihrem Ableben, diesmal auch der österreichischen Literatur, in fiktive Begegnungen gestellt: Beginnend in der k. u. k. Monarchie wandelt sich u.a. das Gemüt des (Leutnant) Gustl zum Herrn (Gustl) Karl. Falco wird im Vorzimmer von Freud zum Stichwortgeber von Thomas Bernhard, wieder ist auch das Thema von Drogen und Genie auf der Couch von Dr. Freud angesprochen: Auch Freud war letztlich tabaksüchtig, selbst wenn für ihn eine Zigarre nur eine Zigarre war. Wieder gleitet der Buddha unberührt als Kontrast zum Denken aller westlich Leidenden durch Zeit und Raum.
Der Leser fühlt sich dabei allmählich als faszinierte Fliege an der Wand, die diese teils skurrilen Begegnungen beobachten darf, alle in überwältigendem Detail recherchiert und belegt. Das Leid zweier Weltkriege, der Zwischenkriegszeit, ödipale Neurotik der Literaten der Nachkriegszeit, Parallelen der Methoden der Nazizeit zu unseren Tagen, wenn auch unter anderen Vorzeichen. Das Narrativum, geschickt gesponnen, zieht den Leser immer weiter.
Somit hoffe ich, dass dem Lektorat des nächsten Buches über das österreichische kollektive Unterbewusste mehr Zeit zur Verfügung stehen wird, bei dieser Überfülle an Material sicher eine heroische Aufgabe, und irgendwann dann auch Nestroy und sein erdig-bissiger Humor zu Wort kommt, er webt tief unten wohl auch im Wiener Kollektiv mit. Dann könnte der Wiener Dialekt nicht nur als Stilmittel eingesetzt und vorgeführt werden, sondern seiner Musik nachgespürt werden, es könnte seinem melancholischen Geheimnis mit liebevollem Respekt begegnet werden, auch wenn es zumeist Geschichten aus dem Wiener Wald sind, die – hier trotz Happy
End – einen bitteren Geschmack hinterlassen. Nach der Melodie: „Es ist alles Chimäre, aber mich unterhalt’s…“
– gesummt vom Buddha.

Monika Frühwirth, Selbsterfahrungsgruppenleitung, Schattenarbeit mit der 3-2-1 Methode des Integralen Instituts. Mitarbeit in der deutschsprachigen Plattform der Ken Wilber Gruppen, Übersetzungen von Wilbers online Texten für die Webseite des späteren Integralen
Forums, Gründung des Weiblichen Integralen Bewusstseinsfeldes (WIB) http://www.integrallife.com